Rezension über:

Joseph C. Schnaubelt / Frederick Van Fleteren (eds.): Augustine in Iconography. History and Legend (= Augustinian Historical Institute; Vol. 4), 2. Aufl., Frankfurt a.M. [u.a.]: Peter Lang 2003, XXI + 750 S., zahlr. Abb., ISBN 978-0-8204-6766-5, EUR 62,00
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Rezension von:
Wolfgang Augustyn
Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, München
Redaktionelle Betreuung:
Hubertus Kohle
Empfohlene Zitierweise:
Wolfgang Augustyn: Rezension von: Joseph C. Schnaubelt / Frederick Van Fleteren (eds.): Augustine in Iconography. History and Legend, 2. Aufl., Frankfurt a.M. [u.a.]: Peter Lang 2003, in: sehepunkte 4 (2004), Nr. 10 [15.10.2004], URL: http://www.sehepunkte.de
/2004/10/6136.html


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Joseph C. Schnaubelt / Frederick Van Fleteren (eds.): Augustine in Iconography

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Der Sammelband zu 'Augustin in Iconography' erschien erstmals 1999, wurde 2003 neu aufgelegt und ist - wie man aus dem Vorwort erfährt (IX) - der vierte Band einer Reihe von Sammelbänden zu verschiedenen Themenbereichen, die dem Werk und der Wirkungsgeschichte des Augustinus gewidmet sind. Seit jeher finden Leben und Werk des Kirchenvaters Augustinus (354-430) breites Interesse bei Theologen und Philosophen, Historikern und Philologen. Zu seinen weitgespannten theologischen und philosophischen Schriften, erschlossen unter anderen durch das Augustinus-Lexikon (von geplanten fünf Bänden bisher erschienen Bd. 1 und 2, Basel 1994 und 2002), existiert eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur (vergleiche dazu das 'Corpus Augustinianum Gissense a Cornelia Mayer editum 2'/2004 sowie die 'Datenbank der augustinischen Sekundärliteratur'). Weniger umfangreich ist dagegen die Literatur zu archäologischen und kunsthistorischen Fragen, die mit Person und Wirkungsgeschichte des Augustinus verbunden werden. Immer noch grundlegend sind dazu die Arbeiten von Jeanne Courcelle und Pierre Courcelle (unter anderen: Scènes anciennes de l'iconographie Augustinienne, in: Revue des études Augustiniennes 10, 1964, 50-96; für die Bildzyklen vom 14. bis 18. Jahrhundert: dieselben Iconographie de Saint Augustin, Bd. I-IV, Paris 1965-1991); wichtig für weitere Forschung wurden auch die Beiträge eines vom 'Institutum Historicum Augustinianum' in Rom herausgegebenen Tagungsbandes (Iconografía agustiniana. Actas del congreso. Roma, 22-24 de noviembre de 2000. XI Congreso Internacional de Historia de la Orden de San Agustín, hg. von Rafael Lazcano, Roma 2001 [Studia Augustiniana Historica], 14). Über diese Publikationen führt der vorliegende Band leider kaum hinaus.

Die Spanne der im vorliegenden Band behandelten Themen ist breiter, als es der Titel vermuten lässt. Es werden nicht nur bildliche Wiedergaben des Augustinus behandelt, sondern in einer ersten Gruppe von Aufsätzen historische und archäologische Befunde vorgestellt, die nicht unmittelbar mit der Ikonographie des Heiligen zu tun haben: Silvia Lusuardi, Siena informiert über die archäologisch erschlossene Topografie der bischöflichen Taufkirche S. Giovanni in Mailand zur Zeit des Ambrosius (113-145), in der Augustinus getauft wurde. Ein Beitrag von George Radan (147-188) ist der Basilica pacis in Hippo in Nordafrika gewidmet, wo Augustinus als Bischof wirkte (dazu jetzt auch: Ausst.kat. "Saint Augustin: une mémoire d'Algérie, Bordeaux, Musée d'Aquitaine", Bordeaux, hg. von Hélène Lafont-Couturier u.a., Paris 2003; Élisabeth Tworek, Auf den Spuren von Augustinus, in: Pierre-Yves Fux, Jean-Michel Roessli, Otto Wermelinger (Hg.), Augustinus Afer. Saint Augustin: africanité et universalité. Actes du colloque international, Alger-Annaba 2001, Fribourg 2003 [Paradosis, 45/1], 475-482). Einige historische Beiträge verdeutlichen das Umfeld, sind zwar als Voraussetzungen für Bildtraditionen apostrophiert, der jeweilige Zusammenhang mit den verschiedenen Bildtraditionen bleibt aber offen. Zweifelsohne war für die besondere Verehrung des Heiligen in Italien bedeutsam, dass seine Reliquien hierher transferiert worden waren: Vor dem Vandalensturm evakuierte man diese zuerst nach Sardinien (zur zeitweiligen Bergung in Cagliari: Robert J. Rowland Jr., 189-197) und brachte sie schließlich nach S. Pietro in Ciel d'oro in Pavia (dazu Benedict Hackett, 199-219). Nicht erörtert wird jedoch, inwieweit und wo diese Reliquienpräsenz Anlass wurde, an den Heiligen häufiger auch in Darstellungen zu erinnern. Ähnliches gilt für mehrere Beiträge zur Geschichte einzelner Niederlassungen: Sie belegen die Ausbreitung der Augustinereremiten und ihre seelsorglichen Aktivitäten in Italien. Auch hier erführe man gerne, ob und wie sich dies womöglich auf Häufigkeit, Themenwahl und Bildmotive der Darstellung des Augustinus auswirkte.

Die zweite Gruppe von Aufsätzen behandelt Bildfolgen zum Leben des Augustinus. Neben bekannten Zyklen wie jenen in S. Gimignano (Diane Cohl Alt) oder - nur rudimentär erhalten - in Lecceto (George Radan) werden hier zwei ungewöhnliche Beispiele präsentiert, eine bemalte Tafel aus dem späten 15. Jahrhundert mit Szenen aus dem Augustinusleben in der Kathedrale von Carlisle, deren Kapitel - wie in England eher selten - zur Entstehungszeit als Augustinerchorherrenstift verfasst war (Edmund Colledge), und die Bildfolge des italienischen Malers Tito Troja in Philadelphia, entstanden 1897-1989 in Rom (Mark W. Sullivan).

Als dritter Teil des Buchs folgen mehrere kürzere Beiträge zu einzelnen Darstellungen des Augustinus, ohne dass die Gründe für die Auswahl der behandelten Themen noch für deren Abfolge erkennbar wären. Für sie gilt, was man - leider - über den Band insgesamt sagen kann: Sosehr einzelne Beiträge das Spektrum des bisher zu diesem Themenbereich Bekannten erweitern oder als nützliche Hilfsmittel bereitgestellt werden (so am Beginn des Bandes durch die Herausgeber die katalogmäßige Zusammenstellung literarischer Quellenzitate für die Ikonographie von Bildzyklen zum Leben des Augustinus), ist dennoch der Mangel an Kohärenz nicht zu übersehen. Da es sich bei dieser Aufsatzsammlung nicht um Tagungsbeiträge handelt (und der Aufsatz von Edmund Colledge hier sogar nachgedruckt ist), hätte man, zumal unter diesem Titel, weniger Beliebigkeit erwarten dürfen. Im abschließenden Beitrag der Herausgeber resümieren diese auf allzu knappen zweieinhalb Seiten den Inhalt des Bandes (729-731). Am kategorischen Bescheid zu Beginn 'Exhaustive treatment of Augustine's iconography is virtually impossible'' (729) sind Zweifel angebracht. Freilich: Auch eine systematische Zusammenstellung von Beiträgen zu diesem Thema hätte anders ausfallen müssen.

Wolfgang Augustyn