Rezension über:

Lars Deile / Frank Oliver Sobich: Arbeitsblätter im Geschichtsunterricht. Konzeption und Einsatz, Schwalbach: Wochenschau-Verlag 2014, 205 S., ISBN 978-3-89974780-5, EUR 19,80
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Rezension von:
Verena Espach
Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität, München
Redaktionelle Betreuung:
Christian Kuchler
Empfohlene Zitierweise:
Verena Espach: Rezension von: Lars Deile / Frank Oliver Sobich: Arbeitsblätter im Geschichtsunterricht. Konzeption und Einsatz, Schwalbach: Wochenschau-Verlag 2014, in: sehepunkte 16 (2016), Nr. 4 [15.04.2016], URL: http://www.sehepunkte.de
/2016/04/26084.html


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Lars Deile / Frank Oliver Sobich: Arbeitsblätter im Geschichtsunterricht

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Der Band "Arbeitsblätter im Geschichtsunterricht. Konzeption und Einsatz" ist in der Reihe "Geschichte unterrichten" des Wochenschau-Verlags erschienen und zielt in seinen insgesamt zehn Kapiteln ausdrücklich auf Hilfen für die alltägliche Unterrichtspraxis.

Die zu Beginn dargelegte These der Autoren lautet, dass es sich bei einem Arbeitsblatt als ein Querschnittsmedium um eine mediale Revolution des Unterrichts handle, die aber bislang im geschichtsdidaktischen Diskurs noch nicht ausreichend reflektiert wurde, wodurch auch deren Potential noch nicht genügend ausgeschöpft sei. Durch das Arbeitsblatt sei es für Schüler erstmals möglich, Materialien auch aktiv zu bearbeiten, was bei Schulbüchern, die im Regelfall an die nachfolgenden Klassen weitergegeben werden, nicht möglich sei (7). Lehrkräfte könnten sich so von vorgegebenem Material emanzipieren (8) und ihre Schüler gewissermaßen zwingen, den Unterricht nicht mehr zu ignorieren (9). Ob dies tatsächlich erst durch das Arbeitsblatt möglich wurde, sei dahingestellt, bequem aber ist dieses Vorgehen auf jeden Fall. Das vorliegende Buch zum Thema Arbeitsblätter verstehe sich daher laut Deile und Sobich mehr als Programmschrift denn als eine (empirische) Bestandsaufnahme.

Im Anschluss an diese "Programmankündigung" legen die beiden Autoren umfänglich dar, was das Buch alles nicht zu leisten im Stande ist. Auf den Leser wirken diese, beinahe als Entschuldigung anmutenden, versuchten Entkräftigungen möglicher Kritik bereits auf Seite sechs, und noch mehr die Feststellung auf Seite 15, dass man auf die meisten guten Tipps auch "durch eigenes Nachdenken und kritische Auswertung eigener Unterrichtspraxis" kommen wird, eher irritierend.

In den Kapiteln eins bis einschließlich drei breiten die Autoren zunächst eher Allgemeines zum Arbeitsblatt, wie etwa dessen Platz im Geschichtsunterricht, zu seiner Typologie und Geschichte aus, gefolgt vom vierten Kapitel über die Spezifik historischen Lernens - das erklärte Ziel des Einsatzes von Arbeitsblättern. Das in Kapitel zwei dargelegte Erscheinungsspektrum eines Arbeitsblattes verorten die Autoren zwischen "Informationsträger und Bastelbogen" (18). Ausgehend von der Definition Wellenhofers [1] (19) werden erste Kriterien für ein Arbeitsblatt dargelegt, die im Anschluss weiter ausdifferenziert werden.

Als grundlegend konstitutiv wird dabei zunächst ganz lapidar festgestellt, dass ein Arbeitsblatt zum Arbeiten da ist und in Form eines losen Blattes daherkommt. Sodann werden mögliche Ordnungsmerkmale, um die Vielzahl der verschiedenen Arbeitsblattarten zu kategorisieren, diskutiert. Dabei erscheinen die verschiedenen Inhalte, also Texte und Bilder, als Kategorie jedoch nicht gewinnbringend genug, sodass die Autoren schließlich zu den möglichen Funktionen eines Arbeitsblattes gelangen. Von Vorteil sei hier besonders die Fokussierung "schon in der Konstruktionsphase [...] auf Zieloperationen des Lernprozesses" (27). Die diesen eher theoretischen Ausführungen folgenden Kapitel zeichnen diese Kategorisierung allerdings nicht nach.

Ab Kapitel fünf widmen sich die Autoren schließlich der im Titel angekündigten Konzeption und dem Einsatz von Arbeitsblättern im Geschichtsunterricht. Hierbei geht es zunächst um deren Gestaltung - der Leser erhält von den Autoren sogar eine Tabelle der wesentlichen Kriterien für eine gute Arbeitsblattgestaltung (84f.) - und um die Aufgabenstellung (Kapitel 6), die das "Herzstück" eines Arbeitsblattes ausmachen soll. Schließlich gehen die Autoren auf die verschiedenen inhaltlichen Komponenten und das Arbeitsblatt ergänzende Medien ein, wie Audioquellen - für deren Bearbeitung Deile und Sobich es für sinnvoll halten, den Text auf ein zugehöriges Arbeitsblatt abzudrucken -, Filme, Schulbücher und schließlich Tafeln, Projektoren oder Beamer. Recht nützlich und vor allem für Berufsanfänger hilfreich dürften die jeweils angefügten möglichen Arbeitsvorschläge für die einzelnen Kombinationen sein. Anschließend wird der Einsatz von Arbeitsblättern im unterrichtlichen Handeln erörtert. Als Zusammenfassung bietet das Buch drei Übungen an, mit denen der Benutzer seine durch das Buch erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten gleich erproben soll. Den Abschluss bilden nochmals konzentrierte Hinweise zu Erstellung und Einsatz von Arbeitsblättern, eine Übersicht über die Operatoren im Fach Geschichte für die deutschsprachigen Länder und ein Literatur-, Archivalien- und Internetseitenverzeichnis.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch auf wesentliche Punkte zur Gestaltung und zum Einsatz von Arbeitsblättern eingeht. Individualisierung und Differenzierung lauten die Zauberworte, und so möchten die Autoren die Lehrkräfte ermutigen, sich wieder mehr ihres eigenen Unterrichts zu bemächtigen und sich von den Vorgaben des Schulbuchs, des sogenannten "heimlichen Lehrplans", oder auch von vorgefertigten Arbeitsmaterialien unabhängiger zu machen und gezielt auf ihre jeweilige Klasse zugeschnittenes Unterrichtsmaterial anzufertigen. Dieser Ansatz ist in jedem Fall begrüßenswert und angesichts der zunehmenden Herausforderungen durch immer heterogenere Klassen notwendig und sinnvoll. Diese Quintessenz erscheint allerdings als so logisch und gegeben, dass fraglich ist, ob dazu ein eigenes Buch nötig war.

Die Autoren schreiben aus der Praxis für die Praxis. Die oft erwähnte, reichhaltige Erfahrung sowohl im eigenen Unterrichten, als auch bei der Evaluation von Unterricht nimmt man Deile und Sobich vollständig ab - ob dazu auch der betont lässige, stellenweise etwas bemüht bzw. auch flapsig klingende Plauderstil (siehe z. B. 18f.) nötig war und zum Lesevergnügen beiträgt, sei an dieser Stelle aber angezweifelt.


Anmerkung:

[1] Walter Wellenhofer: Grundlagen einer modernen Arbeitsblatt-Praxis: Ziele, Konzeptionen, Möglichkeiten, Grenzen, München 1991, S. 13.

Verena Espach