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Stephan Conermann: Neuere Forschungen zur Sklaverei und zu anderen Formen starker asymmetrischer AbhĂ€ngigkeit VII. Einführung, in: sehepunkte 22 (2022), Nr. 10 [15.10.2022], URL: http://www.sehepunkte.de
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Neuere Forschungen zur Sklaverei und zu anderen Formen starker asymmetrischer AbhÀngigkeit VII

Einführung

Von Stephan Conermann

Nach dreieinhalb Jahren ist fĂŒr das Bonner Exzellenzcluster "Beyond Slavery and Freedom. Asymmetrical Dependencies in Pre-modern Societies" gerade Halbzeit. Die Rekrutierungsphase ist auf allen Ebenen im Herbst 2021 abgeschlossen worden. Insgesamt arbeiten zurzeit in dem Cluster etwa 130 Forscher*innen (43 Doktorand*innen, 17 Postdocs, 25 Principal Investigators, 22 Investigators, 4 Clusterprofessor*innen und 12 Fellows) an ebensovielen Projekten. Hinzu kommen noch ca. 60 Studierende in unseren beiden sehr nachgefragten MasterstudiengĂ€ngen "Slavery and Dependency Studies" und "Slavery Studies". Im Rahmen des Clusters berichten wir nun bereits zum sechsten Mal ĂŒber Neuerscheinungen zur Sklaverei und zu anderen Formen starker asymmetrischer AbhĂ€ngigkeit. Dieses sechste Forum beginnt mit der Besprechung eines sehr wichtigen Sammelbandes. Die beiden Herausgeber haben es geschafft, eine Reihe sehr bekannter Sklavereiforscher*innen fĂŒr eine Art Bestandsaufnahme zu gewinnen. Wir haben es somit nicht mit AufsĂ€tzen zu einem ausgewĂ€hlten Thema (etwa: "Die Sklaverei in Brasilien") zu tun, sondern mit dem Versuch, den historiographischen, theoretischen und methodologischen AnsĂ€tze nachzuspĂŒren, die Historiker*innen bei ihren Studien ĂŒber die Institution der Sklaverei und den Prozess der Versklavung ĂŒber Zeit und Raum hinweg geleitet haben. (Conermann zu Doddington/Dal Lago) Ein im VerhĂ€ltnis dazu eher konservativen Ansatz verfolgen zwei Themenhefte der Zeitschriften HumaNetten und Slavery & Abolition. Die neun AufsĂ€tze, die aus zwei gemeinsamen Konferenzen hervorgegangen sind, kreisen um die am Ende doch sehr verschiedenen Formen von Sklaverei und sklavereiĂ€hnlichen PhĂ€nomenen innerhalb der von dem Indischen Ozean miteinander verbundenen Regionen. (Conermann zu HĂ€gerdal) Es folgen fĂŒnf Rezensionen, die sich mit BĂŒchern befassen, die ganz unterschiedliche, aber fĂŒr unser Thema relevante historische Situationen in sehr verschiedenen Weltgegenden zum Gegenstand haben. ZunĂ€chst geht es um das Schicksal der Angehörigen der Wang-Dynastie im Korea des 15. Jahrhunderts nach ihrem durch Yi Sŏng-gye im Jahre 1392 verursachten Sturz. (Sarito zu Park) Das Osmanische Reich steht dann im Mittelpunkt der beiden folgenden Werke. Obgleich recht viele Texte bekannt sind, ist die Wahrnehmung nicht-muslimischer Minderheiten in britischen Reisebeschreibungen aus dem 17. Jahrhundert ein bisher nicht sehr gut erforschtes Themenfeld. (Gökçe zu Holmberg) Wir machen einen Sprung in das ausgehende 19. Jahrhundert. Die osmanische Tabakindustrie ist ein gutes Beispiel fĂŒr die typischen Spannungen und Dependenzen zwischen Fabrik- und Feldarbeitern, Großgrundbesitzern und Fabrikanten in einer sich industrialisierenden (europĂ€ischen) Gesellschaft. Das Buch scheint zwar eine ÜberfĂŒlle an Fakten zu prĂ€sentieren, alles in allem jedoch einen guten Einstieg in die Thematik zu bieten. (Guedeau zu Nacar) Nachdem Großbritannien erst den Sklavenhandel und dann die Sklaverei offiziell abgeschafft hatten, stoppte die britische Marine Schiffe, auf denen sich Sklaven befanden, die ĂŒber den Atlantischen Ozean transportiert werden sollten. Die befreiten Personen brachte man hĂ€ufig zurĂŒck nach Afrika. Viele wurden allerdings nicht in ihre ursprĂŒngliche Heimat gebracht, sondern mussten sich in ihnen durchaus fremden Regionen ansiedeln. Wie problematisch es fĂŒr diese Menschen war, mit dieser Situation zurechtzukommen und ein neues Leben in einer ungewohnten Umgebung zu beginnen, kann sehr gut am Beispiel von Sierra Leone verdeutlicht werden. (Afolabi zu Anderson) Mit der Einrichtung von Bordellen fĂŒr deutsche Armeeeinheiten in Polen nach der Besetzung des Landes im Jahre 1939 befasst sich schließlich eine weiter Neuerscheinung. Anhand eines autobiographisch dokumentierten Fallbeispiels kann die Verfasserin die Strukturen dieser institutionalisierten Zwangsprostitution bestens darstellen. (Nam zu Respondek)
Wir hoffen, mit diesem Forum erneut einen hilfreichen Einblick in die neuere Forschung zu stark asymmetrischen AbhÀngigkeitsformen geben zu können.

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