Rezension über:

Jürgen Nemitz: Die direkten Steuern der Stadt Regensburg. Abgaben und Stadtverfassung vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte; Bd. 125), München: C.H.Beck 2000, XL + 648 S., ISBN 978-3-406-10706-1, EUR 40,00
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Rezension von:
Peter Schmid
Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte, Universität Regensburg
Redaktionelle Betreuung:
Stephan Laux
Empfohlene Zitierweise:
Peter Schmid: Rezension von: Jürgen Nemitz: Die direkten Steuern der Stadt Regensburg. Abgaben und Stadtverfassung vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert, München: C.H.Beck 2000, in: sehepunkte 3 (2003), Nr. 3 [15.03.2003], URL: http://www.sehepunkte.de
/2003/03/1993.html


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Jürgen Nemitz: Die direkten Steuern der Stadt Regensburg

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Die Stadtgeschichtsforschung hat sich in jüngster Zeit verstärkt der Untersuchung der finanziellen Gegebenheiten sowie der daraus resultierenden Möglichkeiten und Beschränktheiten städtischer Politik zugewandt. In diese Tendenz fügt sich die Arbeit von Nemitz ein und leistet einen bemerkenswerten Beitrag nicht nur zur Finanzgeschichte der Reichsstadt Regensburg, sondern auch der Reichsstädte insgesamt. Die von Nemitz vorgelegten Ergebnisse können in weiten Bereichen mit zur Erklärung der Entwicklung beitragen, die die Reichsstadt Regensburg in der Neuzeit genommen hat.

Die Untersuchung setzt mit dem Ende des 15. Jahrhunderts an einem entscheidenden Orientierungspunkt für die Entwicklung der Stadt in der Neuzeit ein. Damals geriet Regensburg nach der kurzzeitigen Hinwendung zu Herzog Albrecht IV. von Oberbayern im Jahr 1486 und der vom Kaiser erzwungenen Rückkehr ins Reich im Jahr 1492 unter bestimmenden habsburgischen Einfluss und in spürbare Abhängigkeit vom Kaiserhaus. König Maximilian I. nahm durch den Erlass von Regimentsordnungen entscheidenden Anteil an der künftigen Entwicklung der inneren Verfassung der Stadt. Gleichzeitig wurde durch die Ereignisse der 80er und 90er Jahre des 15. Jahrhunderts auch der Grund für das meist feindselige Verhalten der sich zurückgesetzt fühlenden bayerischen Herzöge gegenüber der Stadt gelegt. Der Gegensatz zum benachbarten bayerischen Herzogtum und der Schutz durch das habsburgische Kaiserhaus kennzeichneten den Spielraum, in dem sich die städtische Politik seitdem bewegen konnte. Das Ende des untersuchten Zeitraums markiert das Jahr 1810, in dem Regensburg nach der kurzen Ära der Dalbergzeit endgültig seine Selbstständigkeit verlor und dem bayerischen Staat eingefügt wurde.

Auf der Basis umfassender Quellenkenntnis arbeitet Nemitz die Organisations- und Personalstrukturen sowie die in Regensburg üblichen Formen der direkten Besteuerung heraus. Er verbindet mit den steuertechnischen Fragen stets auch Aspekte der Verfassungsentwicklung und des in der Stadt herrschenden politischen Klimas. Dabei wird deutlich, dass die in Fragen der Besteuerung und des Finanzwesens immer wieder zwischen Innerem und Äußerem sowie Geheimem Rat aufkommenden Auseinandersetzungen eine maßgebliche Triebfeder für die Entwicklung, aber auch Blockierung der städtischen Verfassung darstellten. Diese Gegensätze zwischen den verschiedenen Verfassungsorganen in Steuerfragen, die vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine dramatische Zuspitzung erfuhren, trugen zu einem Gutteil die Verantwortung dafür, dass gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Kredit- und Kapitalmarkt in Regensburg völlig zusammenbrach und die Stadt auch in politischen Dingen weitgehend handlungsunfähig wurde. Vor diesem Hintergrund erfahren der Übergang an Dalberg im Jahr 1803 und schließlich die Eingliederung in den bayerischen Staat eine Neubewertung. Damals ging keine glorreiche und zukunftsfähige reichsstädtische Zeit zu Ende. Es erfolgte vielmehr eine für die weitere Entwicklung der Stadt unabdingbare Neuorientierung.

Die Arbeit von Nemitz trägt in hohem Maße zur Bereicherung des Wissens um die Entwicklung der Reichsstadt Regensburg in den Neuzeit bei. Sie zählt zweifellos zu den Standardwerken der Regensburger Stadtgeschichtsforschung der Neuzeit.


Peter Schmid