Rezension über:

Carol M. Meale / Derek Pearsall (eds.): Makers and Users of Medieval Books. Essays in Honour of A. S. G. Edwards, Woodbridge / Rochester, NY: Boydell & Brewer 2014, XVI + 258 S., ISBN 978-1-84384-375-7, GBP 60,00
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Rezension von:
Astrid Marner
University of Bergen
Redaktionelle Betreuung:
Ralf L├╝tzelschwab
Empfohlene Zitierweise:
Astrid Marner: Rezension von: Carol M. Meale / Derek Pearsall (eds.): Makers and Users of Medieval Books. Essays in Honour of A. S. G. Edwards, Woodbridge / Rochester, NY: Boydell & Brewer 2014, in: sehepunkte 15 (2015), Nr. 11 [15.11.2015], URL: http://www.sehepunkte.de
/2015/11/26135.html


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Carol M. Meale / Derek Pearsall (eds.): Makers and Users of Medieval Books

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Die Festschrift für A. S. G. Edwards beleuchtet in 15 Beiträgen die englische Buchkultur im Übergang von der Handschriftlichkeit zum frühen Druck. Der Schwerpunkt liegt auf dem 15. Jahrhundert, es finden sich jedoch ebenfalls Artikel zu Themen außerhalb dieses Zeitraums. Im Inhaltsverzeichnis sind die Beiträge in fünf Gruppen gegliedert. Dieses Ordnungskonzept wird allerdings im Rest des Bandes nicht aufgegriffen, auch nicht in der Einleitung, in der Edwards' Leben und Werk gewürdigt werden.

Die drei unter der Überschrift composition versammelten Beiträge beleuchten die Zusammensetzung von Texten und Begriffen: J. A. Burrow unterzieht Wynnere and Wastoure und Piers Plowman einem detaillierten Textvergleich. Zwar bewiesen strukturierende und stilistische Elemente den Einfluss von Wynnere and Wastoure auf Piers Plowman, zentrale Begriffe seien jedoch anders konnotiert - so Burrow. John Whethamstedes Granarium steht im Zentrum des Artikels von Alfred Hiatt. Neben einer Einführung in Werk und Kontext zeigt er anhand ausgewählter Passagen die Quellen und kompilatorischen Eigenheiten der alphabetisch geordneten Enzyklopädie auf. Martha W. Driver analysiert die Verwendung des Terminus pageant in Spätmittelalter und früher Neuzeit und konstatiert eine ungewöhnlich große Bedeutungsspanne, von Illustrationen auf unterschiedlichen Trägern bis hin zu bildhaften Darstellungen in Festivitäten und Mysterienspielen.

Die beiden Studien der Gruppe compilation zeigen an unterschiedlichem Material das Potenzial der kodikologischen Strukturanalyse. Orietta Da Rold nutzt diese Methode zur Lokalisierung der mittelenglischen Handschrift Oxford Bodleian Library Laud Misc. 108. Aus den kodikologischen Eigenschaften liest sie einen allmählich verlaufenden Kompilationsprozess mit teils verstrickten Phasen ab, um dann die Allgemeingültigkeit ihrer Beobachtungen für die Erstellung mittelalterlicher Sammelhandschriften insgesamt hervorzuheben. Susanna Fein untersucht anhand zweier Schreiber die Buchkultur der West Midlands vor 1400. Sie stellt ein mehrsprachiges Milieu fest, das eine große Nachfrage nach Büchern durch veränderliche Konstituierungen von grundlegenden Textelementen stillte.

Drei Artikel gehen näher auf die production von Texten und Handschriften ein. Anhand von Details aus dem Restaurationsbericht zeigt Nicolas Barker, wie die venezianische Handschrift Bodleian Library Tanner 190 über den Hof Robert VII. (Auvergne) und der französischen königlichen Bibliothek unter Charles V. und Charles VI. letztlich um 1440-1466 in die Werkstatt des sogenannten Scales Buchbinders gelangte. Lotte Hellinga untersucht William Caxtons Übertragung von Poggio Bracciolinis lateinischen Facietae aus einer früheren französischen Übersetzung. Sie kommt zu dem Schluss, Caxton habe sich mehr als Kompilator denn als wortnaher Übersetzer verstanden und seine Vorlage nach Belieben gekürzt und selbstständig erweitert; im Einzelfall könnten Manipulationen durch Caxton jedoch nicht bestimmt werden, da die ihm vorliegende Druckfassung nicht erhalten sei. A. I. Doyle beschäftigt sich mit Thomas Mores Response against Luther. Aufgrund des Inhaltes der zwei Fassungen legt Doyle dar, inwieweit biographische sowie politische Hintergründe dafür sorgten, dass More die erste Fassung nicht in Umlauf brachte und sich von ihr auch namentlich distanzierte.

Die vier Artikel der Gruppe Owners, patrons, readers konzentrieren sich auf Einzelpersonen, die die Komposition oder Überlieferung von Büchern beförderten. John Scattergood befasst sich mit der Kompilation Trinity College 516. Es handele sich - so Scattergood - um eine in höchstem Maße persönliche wie utilitaristische Kompilation, welche die antiquarischen, historischen und politischen Interessen des Besitzers widerspiegele. Carol M. Meale zeigt anhand des Beispiels von Katherine de la Pole, inwieweit Auftraggeber die Handschriftenproduktion einer Region prägen konnten, und wie sich Literaturmarkt und politische Sphäre um eine historische Persönlichkeit vermischten. Kathleen L. Scott stellt in ihrem Beitrag die Belege für den Buchbesitz von Kaufleuten und Handwerkern zusammen. Ihr Primärmaterial sind Testamente und Exlibris. Durch die beigegebenen Listen macht sie den Besitz von Büchern in vermeintlich ungebildeten Kreisen konkret und legt ein Hilfsmittel für weitere Forschung vor. Zusammen mit Richard Linenthal präsentiert Toshiyuki Takamiya fünf Exemplare seiner privaten Sammlung. Die Manuskripte werden knapp kontextualisiert und ihre Gemeinsamkeiten mit verwandten Exemplaren in öffentlichen Sammlungen aufgezeigt.

Unter der Überschrift afterlives finden sich zu guter Letzt drei Artikel, die sich mit dem Fortleben mittelalterlicher Texte bis ins 18. Jahrhundert hinein befassen. John J. Thompson stellt Nachbetrachtungen zu einem Projekt über Nicolas Loves Mirror of the Blessed Life of Jesus Christ an. Der Artikel greift Fragestellungen auf, die im Projekt offen blieben, und skizziert mögliche Folgeprojekte, etwa zur Verbindung der englischen Tradition mit der europäischen Perspektive, oder das spätere textliche Weiterleben von Ps.-Bonaventuras Mediationes Vitae Christi in anderen Werken. Jane Griffiths betrachtet die erste und zweite Auflage von Robert Crowleys Edition des Piers Plowman. Anhand des unterschiedlichen Paratextes argumentiert sie, dass Crowley Glossen experimentell einsetzte; sie seien nicht nur Lesehilfen, sondern dienten auch der interpretatorischen Leitung des Lesers. Insbesondere die zweite Auflage präsentiere Piers Plowman als autoritativen Text und Teil des nationalen literarischen Erbes. Simon Horobin untersucht die Editionspraxis im 18. Jahrhundert anhand Beaupré Bells Chaucer-Ausgabe. Anmerkungen in den von Bell verwendeten Handschriften zeigten, dass er in erster Linie aus Unzufriedenheit mit Urrys früherer Ausgabe eine Neuedition besorgte, auch wenn keine im modernen Sinne textkritische Haltung zugrunde gelegen habe.

Insgesamt handelt es sich um eine hervorragende Festschrift. Einige der Beiträge beziehen sich unmittelbar auf die Publikationen des Geehrten, wobei sämtliche Aspekte seines Forschungsinteresses abgedeckt werden. Dass dadurch eine nur lose Kohärenz der einzelnen Beiträge entsteht, ist eine natürliche Folge. Dies wird durch die Gruppierung im Inhaltsverzeichnis einzudämmen versucht. Die vielen genauen und überzeugenden Fallstudien beweisen anschaulich, wie die Kombination unterschiedlicher Methoden und Arbeitsweisen zu neuen Erkenntnissen führen kann. Sie haben gerade durch ihren Fallstudiencharakter oft großes Übertragungspotenzial.

Astrid Marner