Rezension über:

Danielle E. A. Park: Papal Protection and the Crusader. Flanders, Champagne, and the Kingdom of France, 1095-1222, Woodbridge / Rochester, NY: Boydell & Brewer 2018, X + 244 S., ISBN 978-1-78327-222-8, GBP 60,00
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Rezension von:
Valentin Portnykh
Staatliche Universität, Nowosibirsk
Redaktionelle Betreuung:
Ralf Lützelschwab
Empfohlene Zitierweise:
Valentin Portnykh: Rezension von: Danielle E. A. Park: Papal Protection and the Crusader. Flanders, Champagne, and the Kingdom of France, 1095-1222, Woodbridge / Rochester, NY: Boydell & Brewer 2018, in: sehepunkte 18 (2018), Nr. 10 [15.10.2018], URL: http://www.sehepunkte.de
/2018/10/31990.html


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Danielle E. A. Park: Papal Protection and the Crusader

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Das Buch von Danielle Park ist die erste Monografie, die sich speziell der päpstlichen Protektion der Kreuzfahrer nach Palästina widmet. In den frühen Kreuzzügen bezog sich der päpstliche Schutz auf das Eigentum der abwesenden Kreuzfahrer. Jeder, der ihre Länder während ihrer Abwesenheit angriff, wurde exkommuniziert. Spätestens seit dem ersten Laterankonzil (1123) wurde diese Protektion ausgeweitet: auch die Frauen und Kinder abwesender Kreuzfahrer wurden durch den Papst beschützt. Diese Privilegien waren, wie Park behauptet, ein 'crusade-specific protection privilege', über das einfache Pilger oder Teilnehmer der sogenannten 'Proto-Kreuzzüge' nicht verfügt hätten.

Die Autorin analysiert die Geschichte dieses Privilegs vom ersten Kreuzzug bis ins Jahr 1222, dem Ende des Fünften Kreuzzugs. Sie erklärt leider nicht, warum das restliche 13. Jahrhundert nicht berücksichtigt wird; vermutlich weil die Privilegien der Kreuzfahrer zu Beginn des 13. Jahrhunderts bereits nahezu endgültig formuliert waren. James Brundage ist dieser Frage in seinen Werken nachgegangen. Jedoch behauptet das Buch, dass sich die Bedingungen des Schutzprivilegs schon seit der Mitte des 12. Jahrhunderts nicht mehr verändert hätten.

Die Kapitel 1 und 3 behandeln die Geschichte des päpstlichen Kreuzfahrerschutzes von den Ursprüngen bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts. Zunächst analysiert die Autorin die Frage des Ursprungs. Da der Kreuzzug von Beginn an als Wallfahrt präsentiert wurde, könnte man vermuten, dass die päpstliche Protektion den Wallfahrern noch vor der Kreuzzugszeit verliehen wurde. Das ist aber nicht der Fall: die Autorin findet dafür keinerlei Belege. Sie vermutet deshalb einen Ursprung des Privilegs in der Gottesfriedensbewegung. Das erscheint sinnvoll: es ging um den Schutz der unbewaffneten Teile der Bevölkerung - und diese deckten sich mit den Familien der abwesenden Kreuzfahrer. Was das Datum der Einführung betrifft, so gibt es darüber keine konkreten Informationen. Es existieren aber einige Quellen, die für eine Einführung unter Urban II. im Umfeld des Ersten Kreuzzugs sprechen. Wir wissen nicht, ob Frauen und Kinder bereits während des Ersten Kreuzzuges vom Papst geschützt wurden: in den Canones des Ersten Laterankonzils (1123) und in der Papstbulle Quantum predecessores (1145) findet sich dieser Schutz aber bereits klar formuliert.

Seit Anfang des 12. Jahrhunderts existieren auch persönliche Briefe des Papstes an einzelne Kreuzfahrer mit Bestätigung des Schutzprivilegs (81-83, 89, 95, 103), die zumindest in einigen gegebenen Beispielen zu bezahlen waren. Eine weitere Analyse dieser Briefe wäre von einigem Interesse gewesen. Denn momentan besteht Unklarheit darüber, wie viele solcher Briefe tatsächlich existieren, aus welchen Ländern sie stammen und weshalb sie für die zukünftigen Kreuzfahrer wichtig waren. Außerdem wäre es interessant zu erfahren, ob vergleichbare Bestätigungen von anderen Kreuzzugsprivilegien existieren.

Die Kapitel 2, 4, 5 und 6 widmen sich bestimmten 'case-studies' bezüglich der Wirkung des Schutzprivilegs in der Champagne, Flandern und in Frankreich. Tatsächlich geht es eher um detaillierte Beschreibungen aller Maßnahmen, die mit der Regentschaft während der Abwesenheit der Grafen und Könige zu tun haben, und nicht um die eigentliche Wirkung des Privilegs. Obwohl behauptet wird, der Blick auf die Regentschaft(en) diene dazu, 'to determine the effect of the protection privilege' (42), präsentiert sich die Thematik eher als ein großes unabhängiges Thema. Es gibt einige Beispiele, die zeigen, dass die Länder abwesender Kreuzfahrer trotz möglicher Exkommunikation mitunter angegriffen wurden (58, 131, 148-150, 154). Und es existieren weitere Beispiele, die demonstrieren, dass die Päpste versuchten, das Privileg durch Briefkommunikation in Kraft zu setzen (86, 132, 149, 186-187).

Die Autorin analysiert, in welchem Umfang geistliche und säkulare Schutzmechanismen interagierten ("[...] how the spiritual and secular spheres co-operated in the protection of those left behind", 206). Offensichtlich gab es zwei Schutzmechanismen: die Regentschaft und das päpstliche Schutzprivileg (73).

Doch auch nach diesen Ausführungen bleibt noch immer zu beweisen, wie genau das päpstliche Privileg wirksam war. Die von der Autorin angeführten Beispiele stellen vor allem dar, wie die Angriffe auf die Länder der Kreuzfahrer mittels Schutzmaßnahmen durch den Regenten bewältigt wurden.

Im Großen und Ganzen stellt der Band eine sehr gute Zusammenfassung der Geschichte des päpstlichen Schutzprivilegs für Kreuzfahrer dar, doch muss die Wirkung dieses Privilegs noch eingehender untersucht werden. Behandelt wird, beschränkt auf wenige Gebiete, eher die Geschichte der Regentschaften, aber kaum die Wirkung des Privilegs. Eine allgemeine Studie über die Wirkung des Schutzprivilegs in allen europäischen Ländern bleibt weiterhin ein Desiderat der Forschung: Parks Monografie bietet hierfür die gelungene Ausgangsbasis.

Valentin Portnykh