Rezension über:

Edgar Baumgartl: Martin Knoller 1725-1804. Malerei zwischen Spätbarock und Klassizismus in Österreich, Italien und Süddeutschland, München / Berlin: Deutscher Kunstverlag 2004, 464 S., 162 Farb-, 176 s/w-Abb., ISBN 978-3-422-06464-5, EUR 68,00
Inhaltsverzeichnis dieses Buches
Buch im KVK suchen

Rezension von:
Friedrich Obermaier
München
Redaktionelle Betreuung:
Alexis Joachimides
Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Obermaier: Rezension von: Edgar Baumgartl: Martin Knoller 1725-1804. Malerei zwischen Spätbarock und Klassizismus in Österreich, Italien und Süddeutschland, München / Berlin: Deutscher Kunstverlag 2004, in: sehepunkte 5 (2005), Nr. 12 [15.12.2005], URL: http://www.sehepunkte.de
/2005/12/4905.html


Bitte geben Sie beim Zitieren dieser Rezension die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Andere Journale:

Diese Rezension erscheint auch in KUNSTFORM.

Edgar Baumgartl: Martin Knoller 1725-1804

Textgröße: A A A

Der Maler Martin Knoller (1725 - 1804), in Steinach am Brenner am 8. November 1725 geboren, in Wien und Italien geschult, hinterließ ein Œuvre von beeindruckendem Umfang, das sich über die gesamte süddeutsche Kunstlandschaft bis nach Österreich und Italien erstreckt. Seine Fresken und Altarblätter finden sich in den Kirchen von Anras, Volders, Ettal, Neresheim und Muri-Gries in Bozen. Profane Werke sind für Adelspaläste der Litta, Habsburger, Greppi, di Barbiano, von Gummer und Thurn und Taxis in Mailand, Bozen und Innsbruck entstanden. Ein weiteres, allgemein zu wenig beachtetes Sujet, das in Knollers Schaffen einen breiten Raum einnimmt, ist die Porträtmalerei. Neben zehn Selbstbildnissen des Malers finden sich auch Bildnisse anderer Künstlerkollegen, wie beispielsweise mehrere Kopien eines Selbstporträts von Anton Raphael Mengs, das bekannte Porträt des Bildhauers Franz Ignaz Günther, sowie zahlreiche Darstellungen verschiedener Aristokraten und Geistlicher. Seit 1765 war Mailand die Wahlheimat Martin Knollers, wo er auch ab 1792 als "Professore del colorito" an der dortigen Kunstakademie lehrte und am 24. Juli 1804 nach einem arbeitsreichen Leben starb.

Anlässlich des 200. Todestages von Martin Knoller legt nun Edgar Baumgartl, der sich bereits seit seiner Dissertation "Martin Knoller (1725 - 1804) als Deckenmaler" von 1984 (Erlangen-Nürnberg) mit der Freskomalerei des Künstlers auseinander gesetzt hat, eine Monografie über das Leben und Werk dieses Malers europäischen Formats vor. Erstmals seit der Arbeit von Joseph Popp, die zum 100. Todestag des Künstlers 1904 erschienen war, und einer weiteren Dissertation von Magdalena Weingartner (Innsbruck 1959) zu dem Spezialthema "Martin Knoller. Ölgemälde und Zeichnungen", die unveröffentlicht blieb, schließt Baumgartl die längere Publikationslücke und versucht durch seine Arbeit eine neue Forschungsgrundlage zu schaffen.

Im ersten Drittel des unfangreichen Buches, das durch den zumeist farbigen Abbildungsteil opulent ausgestattet ist, stellt Baumgartl das Leben und das Werk des Künstlers vor. Er beschreibt in knapper Form die verschiedenen Etappen der Ausbildung von Knoller in Wien und Rom, die freundschaftliche Verbindung zu Anton Raphael Mengs (1729-1779) und Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) und deren Bedeutung für seine künstlerische Entwicklung, die Förderung durch den Grafen Firmian und dessen Auftragsvergaben an den Künstler. Der Autor greift damit die grundlegenden Ergebnisse seiner 1986 in Buchform erschienen Dissertation wieder auf. Anschließend werden die Werke nach Gattungen geordnet in Fresken, Altargemälde, Porträts, Ölskizzen und Zeichnungen vorgestellt und in chronologischer Reihenfolge besprochen. In diesen Kapiteln formuliert der Autor die jeweilige Überschrift in barocker Manier und benennt nach dem Ort die Hauptthese des folgenden Abschnittes, um so dem Leser eine erste Orientierung über das folgende Kapitel zu geben. Es folgt dann jeweils eine Abhandlung, die auf die Komposition und Ikonografie der zu besprechenden Werke eingeht, von denen einige im Rahmen dieser Veröffentlichung erstmals publiziert sind. Dort werden auch Angaben zu den Umständen der Entstehungsgeschichte, in manchen Fällen zum Erhaltungszustand und zur Datierung der Fresken oder Altarblätter gegeben. Jeweils am Ende eines Kapitels unternimmt Baumgartl den Versuch, das künstlerische Schaffen Knollers im Hinblick auf die unterschiedlichen Sujets in den kunsthistorischen Kontext einzubinden, Abhängigkeiten und Einflüsse von Zeitgenossen aufzuzeigen und Knollers Stellung innerhalb der untersuchten Gattungen vor dem Hintergrund der Entwicklung vom Spätbarock zum Klassizismus darzustellen.

Dabei begnügt sich der Autor zumeist mit der Nennung weniger Vergleichsstücke, die zudem niemals abgebildet sind, wodurch ein Nachvollzug seines stilkritischen Arbeitens anhand des vorliegenden Buches schwierig wird. Bei den Beschreibungen der einzelnen Werke legt der Autor besonderen Wert auf die Komposition, ohne die Bedeutung des Kolorits, die für die stilgeschichtliche Einordnung des Œuvres von großer Bedeutung wäre, genügend zu berücksichtigen. Die Stellung Knollers zwischen den Epochen, wie es im Untertitel "Malerei zwischen Spätbarock und Klassizismus [...]" formuliert wird, oder die Hans Tintelnot 1951 als "prickelnd zwischen den Stilen" [1] charakterisiert hat, bereitet Edgar Baumgartl Schwierigkeiten. Er misst eklektischen Aspekten in Knollers Werken mehr Bedeutung bei als etwa in eine bestimmte Richtung weisenden stilistischen Charakteristika, die an ihnen evident werden. Der Autor versäumt es, den Anteil Knollers an der Entwicklung des Frühklassizismus in Süddeutschland, den er trotz der zuweilen "lokal" geprägten Typen und Physiognomien in seinem Figurenstil besitzt, deutlicher herauszuarbeiten.

Nach den bereits erwähnten Abbildungen, die fast ein Drittel des Buches in Anspruch nehmen, folgt der Werkkatalog. Dieser ist wieder nach Sujets gegliedert und bringt nun die wichtigsten Informationen und die technischen Daten zum jeweiligen Bild. Dabei folgt Baumgartl der inzwischen üblichen Konvention bei der Erstellung von Werkkatalogen. Eine Auflistung zerstörter und verschollener Werke, sowie eine Übersicht über abgeschriebene beziehungsweise fälschlich zugeschriebene Arbeiten Knollers folgt am Ende des zweiten Abschnitts. Den dritten und letzten Teil dieser umfassenden Publikation über den Maler bildet das Kapitel Quellen und Dokumente, in dem das vollständige, zugängliche und auffindbare Archivmaterial komplett zitiert wird. Von besonderem Interesse sind hier Briefe und Verträge, die wichtige Aufschlüsse über einzelne Werke oder deren Entstehungsgeschichte enthalten und in manchen Fällen als Faksimile abgedruckt sind. Etwas Anstrengung erfordert der Umgang mit dem technischen Apparat, der möglicherweise einfacher angelegt hätte werden können.

Das Anliegen des Autors, das Gesamtwerk Knollers darzustellen und es in seinen verschiedenen Facetten aufzuzeigen, ist im Wesentlichen gut gelungen. Er würdigt damit die bedeutenden Leistungen des Künstlers, insbesondere im Bereich der Deckenmalerei, wie seine Arbeiten in Ettal und vor allem der umfangreiche Zyklus für die Abteikirche Balthasar Neumanns in Neresheim zeigen, die zu den wichtigsten Beispielen dieser Gattung zählen. Sowohl die Altargemälde, wie auch die Porträtmalerei werden gründlich behandelt. Dazu kommt die Darstellung der Arbeiten für die verschiedenen, zum Teil leider nicht erhaltenen Adelspalais und die Beurteilung der Ölskizzen und Zeichnungen. Zu Recht erkennt Baumgartl die Schwächen, die Knoller als Landschaftsmaler offenbar hatte.

Insgesamt stellt Edgar Baumgartls Buch über Martin Knoller eine ausführliche und sehr fundierte Arbeitsgrundlage für weitere Forschungsarbeiten dar, die durch die zahlreichen Abbildungen und das sorgfältig aufgearbeitete Quellenmaterial bereichert wird. Damit erhält dieser letzte große Freskant des 18. Jahrhunderts, dessen Werk in den vergangenen Jahrzehnten in keiner eigenen Ausstellung gezeigt wurde, eine seiner Bedeutung angemessene Würdigung.


Anmerkung:

[1] Hans Tintelnot: Die barocke Freskomalerei in Deutschland. Ihre Entwicklung und europäische Wirkung, München 1951, 230.

Friedrich Obermaier