Rezension über:

Christian Körner: Philippus Arabs. Ein Soldatenkaiser in der Tradition des antoninisch-severischen Prinzipats (= Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte; Bd. 61), Berlin: de Gruyter 2002, XV + 435 S., ISBN 978-3-11-017205-8, EUR 98,00
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Rezension von:
Jan Timmer
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie, Universität Bielefeld
Redaktionelle Betreuung:
Mischa Meier
Empfohlene Zitierweise:
Jan Timmer: Rezension von: Christian Körner: Philippus Arabs. Ein Soldatenkaiser in der Tradition des antoninisch-severischen Prinzipats, Berlin: de Gruyter 2002, in: sehepunkte 4 (2004), Nr. 10 [15.10.2004], URL: http://www.sehepunkte.de
/2004/10/5220.html


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Christian Körner: Philippus Arabs

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Nach dem Tod Gordians III. in den Auseinandersetzungen mit den Persern folgte diesem der praefectus praetorio Marcus Iulius Philippus - aufgrund seiner Abstammung Philippus Arabs genannt - auf den römischen Thron. Diesem Kaiser, der von 244 bis 249 nach Christus regierte, ist die Arbeit Christian Körners, bei der es sich um eine im Jahre 2000 an der Universität Bern eingereichte Dissertation handelt, gewidmet. Dabei soll die Rekonstruktion der Regierungszeit Philipps Aussagen zur "Bedeutung der Herrschaft Philipps für die 'Soldatenkaiserzeit'" ebenso ermöglichen wie Antworten auf die Frage danach, "welchen Beitrag der Kaiser zum Transformationsprozess von der hohen Kaiserzeit zur Spätantike leistete" (4). Dieser Fragestellung entspricht die Gliederung der Arbeit: Körner verfolgt die Geschichte Philipps von "Herkunft und Familie" (Kapitel 2) bis zu "Philipps Ende" (Kapitel 14), wobei systematische Abschnitte zu Münzprägung, Rechtsprechung, Grenzpolitik et cetera die chronologisch geordneten Kapitel zum Leben Philipps ergänzen.

Nach Ausführungen zu den für die Rekonstruktion von Philipps Leben relevanten Quellen (5-29) geht Körner zunächst auf die "Herkunft und Familie Philipps" ein (30-67). Hier zeigt er, wie jener nach der Machtübernahme einzelne Familienmitglieder im "Hinblick auf die Gründung einer neuen Dynastie" und "zur Sicherung seiner Herrschaft und des Reiches" (64) instrumentalisierte. Darauf folgt ein kurzer Überblick über die "Chronologie der Regierungszeit Philipps" (67-70).

In dem Abschnitt zu "Philipps Aufstieg und Machtübernahme" (71-98) fragt Körner nach der Legitimation der Herrschaft Philipps vor dem Hintergrund, dass dieser weder aus Italien stammte noch dem ordo senatorius angehörte. Er kann hier die Bedeutung der Anknüpfung an seinen Vorgänger Gordian III. nachweisen, den Philipp zum divus erheben ließ. Zugleich betont er die Relevanz der verschiedenen Akzeptanzgruppen, wie etwa des Senats und der Reichsbevölkerung.

Die Münzprägung ist Inhalt des folgenden Kapitels (99-119). Zunächst bezieht Körner im Streit über die Relevanz von Münzlegenden eine eigene Position: Es werden die Vorstellungen von Jones zurückgewiesen, der diesen so gut wie keine erklärende Kraft zuweist. Körner nimmt dagegen an, dass sich aus "der Auswahl aus den etablierten Münzlegenden, die ein Kaiser für seine Prägungen trifft, Rückschlüsse auf das Selbstverständnis seiner Regierung" ziehen ließen (100). Er kommt zu dem Ergebnis, dass Philipp besonders Reverstypen verwendet habe, die auf "Frieden, Wohlstand und Ruhe des Reiches" (119) abzielten, wobei durch das Aufgreifen von Motiven, die besonders unter den Severern geprägt worden waren, eine Beziehung zu dieser Zeit hergestellt wurde.

Zentrale außenpolitische Ereignisse der Regierungszeit Philipps waren der Friedensschluss mit den Persern und die Konflikte mit Karpen und Goten im Donauraum (120-157). Zu jenem stellt Körner fest: "Philipp selbst war infolge des Herrscherwechsels gezwungen, mit den Persern Frieden zu schließen, um seine Usurpation im Reich abzusichern. Angesichts dieser für die römische Seite angespannten Situation waren die Bestimmungen des Vertrages relativ glimpflich" (134). In Bezug auf die Konflikte im Donauraum hebt Körner die Gefährdung des Reiches hervor, die er aus der persönlichen Anwesenheit des Kaisers abzuleiten versucht. Insgesamt kommt er zu dem Schluss, dass Philipp in diesem Bereich nicht sonderlich erfolgreich gewesen sei. Die hohe Zahl der in den 'Codex Iustinianus' aufgenommenen Reskripte Philipps verweist auf ein starkes Interesse des Kaisers an der Rechtsprechung (158-189). Diese ist insgesamt noch derjenigen der klassischen Zeit ähnlich; Neuerungen sowohl bezüglich des Inhalts als auch des Stils sind kaum nachweisbar. Ebenso wird auch bei der Behandlung der "Senatoren und Procuratoren unter Philipp" (190-210) die Kontinuität seit der Severerzeit und über den Tod Philipps hinaus deutlich, wobei gerade in Bezug auf die Procuratoren die Quellenlage außerordentlich unbefriedigend ist.

Zu den wichtigsten Maßnahmen in der östlichen Reichshälfte gehörte die Gründung der Stadt Philippopolis, die Philipp nach seiner Machtübernahme errichten ließ. Körner vergleicht die Stadtgründung mit derjenigen von Lepcis Magna und sieht entsprechend auch hier den Anschluss Philipps an die Severer als zentrales Moment. Im folgenden Kapitel (232-247) trägt er die verstreuten Nachrichten über Maßnahmen Philipps im Rest des Reiches zusammen. Eine Reihe von Meilensteinen verweist auf das Interesse Philipps am Straßenbau, und anhand ägyptischer Papyri lässt sich eine Reform der dortigen Verwaltung nachweisen.

Ein herausragendes Ereignis in der kurzen Regierungszeit Philipps war die Feier des 1000-jährigen Bestehens Roms im Jahr 248 nach Christus. Es wird hier nach dem Verhältnis der Tausendjahrfeier zur Tradition der Saecularspiele und ihrer Rolle für die kaiserliche Propaganda gefragt (248-259). Schon ab dem 4. Jahrhundert wurde immer wieder behauptet, Philipp sei Christ gewesen (260-276). Körner untersucht die Quellengrundlage für diese Vermutung und kommt überzeugend zu dem Schluss, dass die Legende keine historische Basis besitze. Vielmehr hätten das Interesse des Kaisers am Christentum (wofür die Briefe des Origenes ein Beleg sein könnten) und die gegen die unter Decius beginnenden Verfolgungen abstechende Behandlung der Christen während seiner Regierungszeit die Grundlage für diese Vermutung gebildet.

Die Usurpationen des Iotapianus, des Pacatianus und des Decius werden im Folgenden daraufhin untersucht, welche Akteursgruppen und welche Gründe für die Erhebungen verantwortlich zu machen sind (277-304). Körner ordnet diese Usurpationen in den Kontext der Kaisererhebungen des 3. Jahrhunderts ein: Außenpolitische Bedrohungen führten zu einem Bedürfnis nach Kaisernähe bei den Truppen; das Beispiel des Iotapianus zeige zudem die Probleme auf, die durch den erhöhten Kapitalbedarf in Folge von militärischen Auseinandersetzungen aufgetreten seien. Im abschließenden Kapitel zu "Philipps Ende" (305-324) setzt sich Körner mit der Rekonstruktion von Dusanic auseinander, der ausgehend von der Überlieferung des Johannes Antiochenus die These vertreten hatte, es habe eine Alleinherrschaft des Sohnes Philipps und anschließend eine gemeinsame Regierung mit Decius gegeben. Dabei kann Körner diese Rekonstruktion ebenso wie den grundsätzlichen Vorrang der durch Johannes repräsentierten Überlieferungstradition widerlegen.

In der kurzen Schlussbetrachtung greift Körner die in der Einleitung entwickelte Fragestellung nach der Position Philipps im Transformationsprozess des 3. Jahrhunderts noch einmal auf (323-326). Er charakterisiert die Herrschaft des Kaisers insgesamt als konservativ; Lösungsansätze seien aus dem System des Prinzipats entnommen. Innovativ sei Philipp allerdings in seiner Steuerpolitik gewesen, und die Zusammenlegung mehrerer Provinzen erinnere an die spätere Einrichtung der Tetrarchie. Ebenso hält Körner auch die Aufgabe eines Grenzstreifens in Dakien für einen Beleg für die Realitätsnähe des Kaisers und verweist auf die Aufgabe der Provinz unter Aurelian.

Appendices zu den Senatoren und Procuratoren unter Philipp, zu unbekannten und fiktiven Usurpatoren und Pläne zu Philippopolis sowie ein Register antiker Personennamen runden das Buch ab.

Insgesamt handelt es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine minuziöse Rekonstruktion der Regierungszeit des Philippus Arabs, deren einziges Manko darin besteht, dass unter der Fülle des gesammelten und ausgewerteten Materials die übergreifende Fragestellung nach der Bedeutung Philipps im Transformationsprozess vom Prinzipat in die Spätantike manchmal aus dem Blick gerät.

Jan Timmer