Rezension über:

Klaus Malettke: Die Bourbonen. Band I: Von Heinrich IV. bis Ludwig XV. 1589-1715, Stuttgart: W. Kohlhammer 2008, X + 304 S., ISBN 978-3-17-020581-9, EUR 30,00
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Klaus Malettke: Die Bourbonen. Band II: Von Ludwig XV. bis Ludwig XVI. 1715-1789/92, Stuttgart: W. Kohlhammer 2008, VII + 298 S., ISBN 978-3-17-020582-6, EUR 30,00
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Klaus Malettke: Die Bourbonen. Band III: Von Ludwig XVIII. bis zu Louis Philippe 1814-1848, Stuttgart: W. Kohlhammer 2009, VIII + 240 S., ISBN 978-3-17-020584-0, EUR 28,00
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Rezension von:
Eva Maria Werner
Institut für Geschichte, Universität Innsbruck
Redaktionelle Betreuung:
Andreas Fahrmeir
Empfohlene Zitierweise:
Eva Maria Werner: (Rezension), in: sehepunkte 9 (2009), Nr. 5 [15.05.2009], URL: http://www.sehepunkte.de
/2009/05/14963.html


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Klaus Malettke: Die Bourbonen

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Klaus Malettke gilt mit Recht als einer der besten Kenner der französischen Geschichte der Frühen Neuzeit unter den deutschsprachigen Historikern. Nun hat er eine dreibändige Geschichte der Bourbonen vorgelegt, die bei Kohlhammer im Taschenbuchformat erschienen ist. Insgesamt umfassen die drei Bände fast 850 eng bedruckte Seiten, stellen also trotz des schlanken Erscheinungsbildes der einzelnen Bücher ein monumentales Werk dar. Chronologisch angelegt und nach Herrschern untergliedert deckt Malettkes Darstellung eine Zeitspanne von gut 250 Jahren ab. Während das erste Buch der Geschichte der Bourbonen von Heinrich IV. bis zu Ludwig XIV., 1589 bis 1715, gewidmet ist, behandelt Band 2 Ludwig XV. und Ludwig XVI. und damit den Großteil des 18. Jahrhunderts. Besondere Beachtung verdient das dritte Buch. Während in den ersten beiden Bänden in erster Linie vielfach erforschtes und beschriebenes Terrain betreten wird, ist jenes der Geschichte der Bourbonen in der nachnapoleonischen Zeit bis 1848 gewidmet. Damit befasst sich Malettke auch mit einer zumindest in der deutschsprachigen Forschung vergleichsweise vernachlässigten Periode französischer Geschichte, die allzu oft nur hinsichtlich der Zäsuren von 1830 und 1848 und deren Auswirkungen auf den Deutschen Bund Beachtung findet, kaum jedoch aus dynastischer Sicht. Ein Epilog am Ende des dritten Buches führt schließlich sogar bis in die Gegenwart. Die dreiteilige Anlage des Werkes macht es möglich, je nach Interessenschwerpunkt auch nur eine Phase der Geschichte der Bourbonen herauszugreifen, was Malettkes Bänden verdientermaßen einen größeren Leserkreis erschließen dürfte. Solch selektiver Zugriff auf die Reihe ist jedoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen - die Verknüpfungen mit dem jeweils vorangegangenen Teil sind in den Anfangskapiteln des zweiten, vor allem aber des dritten Bandes so stark, dass jener bei der Lektüre vermisst wird.

Insgesamt konzentriert sich der Autor in seinem Werk auf "die Darstellung der Funktion und der Bedeutung der Bourbonen und ihrer jeweiligen Könige in der französischen und europäischen Geschichte" und sieht seinen "Schwerpunkt auf der Geschichte der Dynastie sowie auf der Erörterung der Leistungen ihrer Repräsentanten für Frankreich". Dabei will er mehr leisten als "nur die biographische Behandlung" jenes Geschlechts, sondern vielmehr "auch eine Analyse des Agierens dieser Monarchen" auf den unterschiedlichen Politikfeldern wie im kulturellen Bereich bieten (Bd. 1, VI). Diese Ziele erreicht Malettke ohne Zweifel. In seinen detailreichen Schilderungen zeichnet er ein lebendiges und vielfältiges Bild der einzelnen Herrscher und informiert dabei auch immer wieder kenntnisreich über den aktuellen Forschungsstand. Besonders gut erscheinen die Kapitel über Ludwig XIV. gelungen. Aber auch gerade über einzelne Monarchen und die Jahrhunderte hinweg bietet das konsequente Festhalten des Autors an der dynastischen Perspektive einen ganz eigenen Blick auf die französische Geschichte, der unbedingt bereichernd ist. Gelegentlich erscheint die Fixierung auf die Bourbonen jedoch fast zu stark und die Außenperspektive, selbst bei enger Verwebung mit dem Schicksal des Herrscherhauses, kommt etwas kurz: So erwähnt Malettke zwar die Zweifel der europäischen Mächte an einer Restauration der Bourbonen in den Jahren 1814/15, unterlässt es jedoch, diese Bedenken und alternative Pläne genauer auszuführen.

Gedacht sind die Bände, so der Autor, "für einen breiten Leserkreis, [...] also primär nicht für die engeren Fachkollegen, sondern vielmehr für die Studierenden, Lehrer und historisch interessierten Laien" (Bd. 1, VII). Ob dieses Konzept aufgeht, muss in Zweifel gezogen werden. Denn Malettkes tiefe Vertrautheit mit dem Stoff, die seine fundierten Ausführungen überhaupt erst möglich macht, bringt es auch mit sich, dass der Autor mit sehr vielen Namen und Fakten jongliert. Ein nicht so sehr mit der Geschichte Frankreichs und Europas vertrauter Leser kann da leicht den Überblick verlieren. Zudem setzt Malettke viele Ereignisse und Entwicklungen mehr oder weniger als bekannt voraus, erwähnt sie mehr als sie zu erläutern. Dies gilt in besonderem Maße für die Zeit, als die Geschichte der Dynastie und die des Landes sich zu trennen begannen, zentrale Entwicklungen in Frankreich nicht mehr von den Bourbonen ausgingen und schließlich nur mehr bedingt mit ihnen in Zusammenhang standen - die Zeit der Französischen Revolution und Napoleons also. Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist beispielsweise, dass der Autor den Wiener Kongress, dessen Verlauf für das künftige Schicksal Frankreichs von nicht unbeträchtlicher Bedeutung war, nur am Rande streift. Für diese Epoche wird daher besonders deutlich: Die "Bourbonen"-Bände sind kein Ersatz für eine Darstellung zur Geschichte Frankreichs.

Aber auch die Aufmachung der Bände, so muss nicht zuletzt an die Adresse des Verlages gerichtet bemerkt werden, erscheint eher abträglich, um einen breiten Leserkreis zu erreichen: Ein sehr enges Druckbild, wenig Untergliederung und der gänzliche Verzicht auf Bilder im Text - der Anhang enthält jeweils einige Karten und Stammtafeln - trüben den Lesegenuss. Auch macht dieses Erscheinungsbild der Bände eine gezielte Suche nach bestimmten Informationen schwer. Das jedem Buch angefügte Personenregister kann dazu wenig Abhilfe schaffen. Für ein Standardwerk, als welches Malettkes Geschichte der Bourbonen zweifelsohne bereits kurz nach ihrem Erscheinen anzusehen ist, ist dies zu bedauern.

Damit bleibt festzuhalten: Die Lektüre der drei Bände "Bourbonen" braucht Zeit und den Willen, sich zu vertiefen. Beides zu investieren lohnt sich. Die Bände ersetzen keine Geschichte Frankreichs der behandelten Epochen, bereichern die Kenntnis von ihr jedoch ungemein.

Eva Maria Werner