Rezension über:

Wim Hupperetz / Ben Olde Meierink / Ronald Rommes (eds.): Kastelen in Limburg (1000-1800). Burchten en landhuizen, Utrecht: Uitgeverij Matrijs 2005, 606 S., ISBN 978-90-5345-269-1, EUR 59,95
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Rezension von:
Jacques van Rensch
Maastricht
Redaktionelle Betreuung:
Michael Kaiser
Empfohlene Zitierweise:
Jacques van Rensch: Rezension von: Wim Hupperetz / Ben Olde Meierink / Ronald Rommes (eds.): Kastelen in Limburg (1000-1800). Burchten en landhuizen, Utrecht: Uitgeverij Matrijs 2005, in: sehepunkte 10 (2010), Nr. 10 [15.10.2010], URL: http://www.sehepunkte.de
/2010/10/18950.html


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Forum:
Diese Rezension ist Teil des Forums "Adelsgeschichte" in Ausgabe 10 (2010), Nr. 10

Wim Hupperetz / Ben Olde Meierink / Ronald Rommes (eds.): Kastelen in Limburg (1000-1800)

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Den Burgen und Schlössern Limburgs hat sich zuletzt J.Th.H. de Win im Jahr 1975 gewidmet. [1] Er beschrieb seinerzeit 227 Schlösser und erstellte für jedes von ihnen einen kurzen Abriss wesentlicher Merkmale mitsamt einer Liste der relevanten Literatur. Nach nunmehr 30 Jahren, im Jahr 2005, beschreibt nun das Werk "Kastelen in Limburg. Burchten en landhuizen (1000-1800)", unter der Redaktion von Wim Hupperetz, Ben Olde Meierink und Ronald Rommes, 265 Herrensitze in der niederländischen Provinz Limburg. Die zwischen 1975 und 2005 divergierende Anzahl Schlösser erklärt sich daraus, dass hier teils andere Aufnahmekriterien zu Grunde gelegt worden sind. Die diesbezüglichen Erörterungen im Vorwort machen bereits deutlich, wie schwierig es ist, dabei zu einer stimmigen Systematik zu gelangen. Auch der hier gewählte geographische Bezugsrahmen der niederländischen Provinz Limburg ist nicht ganz unproblematisch. Immerhin ist diese ein Konstrukt des Jahres 1839, während das Maasgebiet in der Zeit vor 1800 aus einem Flickenteppich kleiner Territorien bestand, die jeweils ihre eigene Geschichte haben. Traditionelle Bindungen verliefen ins Rheinland, ins heutige Belgien und - mit Blick auf Nord-Limburg - auch in die niederländische Provinz Geldern. Damit wird dieses Buch auch für den Benutzer außerhalb der Provinz Limburg relevant

Der einführende Abschnitt besteht aus acht Beiträgen verschiedener Autoren zu Themenfeldern wie der allgemeinen Schlösser- und Burgenforschung, der territorialen Entwicklung, der politischen Situation, der Ritterschaft, der Architektur- und Baugeschichte sowie der Wohnkultur oder der Gärten und Parkanlagen. Darauf folgt jeweils für die einzelnen Gemeinden (gegliedert von Norden nach Süden) eine Beschreibung der auf ihrem Gebiet befindlichen Schlösser und Adelssitze. Das Ganze wird abgeschlossen durch Beilagen in Form von Informationen zu nicht mehr existenten Schlössern, die nur noch aus der Literatur bekannt sind, sowie zu Häusern, deren Geschichte nicht mehr eindeutig rekonstruiert werden kann. Schließlich folgt eine umfassende Literaturliste sowie ein Personen- und Ortsregister. Zahlreiche Illustrationen, teils auch farbig, von Gebäuden, Grundrissen und historischen Karten lockern den Text auf.

Die einführenden Beiträge sind natürlich in erster Linie der Beschreibung der einzelnen Schlösser und Burgen gewidmet, sind aber in dieser Form absolut notwendig, um einen kurzen und knappen Überblick über die äußerst verwickelte Geschichte des Maasgebietes zu vermitteln. Die Beschreibung der einzelnen Herrensitze erfolgt nach einem strikten Schema: Zunächst die Eigentums- und Nutzungsgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart, im Anschluss daran die Baugeschichte bis zum heutigen Tage. Die Artikel, aus der Feder verschiedener Autoren, basieren überwiegend auf den Ergebnissen der aktuellen Forschung. Der Vorzug einer hier höheren Aufmerksamkeit für die eher jüngere Geschichte besteht darin, dass auch Aspekte wie z.B. die Nutzung einiger Schlösser als Klöster für aus Deutschland oder Frankreich vertriebene Glaubensbrüder ins Bild rücken.

Etwas unglücklich ist der im Titel genannte Untersuchungszeitraum von 1000 bis 1800. Auch wenn tatsächlich allein jene Schlösser aufgenommen wurden, welche in der Zeit vor 1800 entstanden sind, gehen die ergänzenden Erläuterungen weit über diesen Zeitraum bis zum Ende des 20. Jahrhunderts hinaus. Die Ausführungen zur Baugeschichte profitieren ungemein von den hier dargebrachten Gebäudefotos und Grundrissplänen. Schade ist jedoch, dass den Interieurs demgegenüber vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Zum Teil wird dies freilich bereits in den einführenden Kapiteln abgehandelt, doch hätte man sich diesbezüglich auch bei den Artikeln zu den einzelnen Herrensitzen ausführlichere Informationen gewünscht.

Natürlich ist es schwierig, bei einem so umfangreichen Buch, an dem so viele Autoren mitwirkten, auch redaktionell eine gewisse Einheitlichkeit zu erreichen. Anhand einiger willkürlich herausgegriffener Beispiele lässt sich dies verdeutlichen. Auf Seite 83 ist fälschlicherweise die Rede davon, dass Willem Vincent van Wittenhorst 1661 das Schloss seiner Vorfahren, Ter Horst bei Horst, erworben habe, während auf Seite 138 das korrekte Datum des Erwerbs - 1660 - angegeben ist. In der Gemeinde Vaals ist der Hof Holset nicht genannt, der zusammen mit den ebenfalls in Vaals gelegenen Häusern Vaalsbroek und Einrade einstmals ein gronsveldisches Lehen bildete. Die Erhebung der Herren von Bronckhorst-Batenburg, die Herren von Gronsveld, in den Grafenstand (499) erfolgte nicht 1581, sondern 1585. Otto Wilhelm van Bronckhorst-Batenburg (500) war nie Fürstbischof von Münster, sondern Generalvikar der Bistümer Münster und Osnabrück. Weiterhin war Maria Anna zu Törring Jettenbach in erster Ehe mit Johan Frans van Bronckhorst-Batenburg verheiratet und ehelichte erst danach als Witwe Claude Nicolas d'Arberg et Valengin. Dieser Ehe entstammte die Tochter Maria Josepha, die Maximilian Emanuel zu Törring Jettenbach heiratete. Diejenigen, die mit den lokalen Verhältnissen gut vertraut sind, werden womöglich noch mehr kleinere Unstimmigkeiten entdecken.

Dies sind gewiss keine gravierenden Mängel, doch zeigen sie, dass es, möchte man wirklich verlässliche Informationen bieten, stets das Beste ist, auf die Originalquellen und die einschlägige Literatur zurückzugreifen. Doch tut dies dem Wert dieses Nachschlagewerks gewiss keinen Abbruch.


Anmerkung:

[1] J.Th.H. de Win: Kastelen in Limburg. Een inventarisatie van de voormalige en huidige rijkdom in deze provincie aan weerbare burchten, riddermatige huizen en kasteelachtige huizingen, Venlo 1975.

Jacques van Rensch