Geschenktipps (nicht nur) zu Weihnachten

Eva Schlotheuber / Jan von Goufein, Düsseldorf


Nikolas Jaspert: Fischer, Perle, Walrosszahn - Das Meer im Mittelalter, Berlin 2025. (Eva Schlotheuber, HHU Düsseldorf)
Faszinierend ist das Meer seit Menschengedenken, besungen, gefürchtet und mit Schiffen bezwungen, aber eine Geschichte des Meeres im Mittelalter fehlte bislang. Es ist ein anspruchsvolles Unterfangen, die seit jeher prägende Mensch-Meer-Beziehung aus der Perspektive des Meeres und seiner Lebewesen zu beschreiben. Nikolas Jaspert hat mit diesem Blickwinkel den Zauber bewahren wollen, den das Meer auf den Menschen seit jeher ausgeübt hat. "Das Meer verstehen", ist deshalb das erste Kapitel benannt, das Mythen und Deutungsmodellen von Theologen, Medizinern und Philosophen gewidmet ist. Er entfaltet aus den verschiedensten Quellen ein eindrucksvolles Panorama an Ressourcen des Meeres von Fischfang, Korallen und Perlen bis hin zum Salz. Was das Meer dem Menschen gibt, von diesen Objekten aus ist das Meer als Beziehungsgeschichte "erzählt", als eine wertvolle, überlebensnotwendige und gleichzeitig von Ängsten und Widersprüchen geprägte Beziehung, das gut ohne uns auskäme aber nicht wir ohne das Meer.

Guiseppe Tomasi di Lampedusa: Il Gattopardo, Milano 1958 / Der Leopard, München 2004. (Eva Schlotheuber, HHU Düsseldorf)
Aus der Perspektive des alternden Don Fabrizio verfolgt der Leser fast atemlos den Untergang des alten Königreichs Sizilien und seiner Adelswelt - von dem zeitlosen Zauber der langen Sommer auf dem Land zwischen Jagd, Familie und Mätressen, in acht Zeitschnitten zwischen Mai 1860 und Mai 1910 bis hin zu den versunken-verfallenen Palazzi des beginnenden 20. Jahrhunderts, in deren Winkeln die überlebenden Frauen der einstigen Herrschaft ihr Leben fristen. Die sozialen und politischen Umwälzungen der französischen Revolution und des Risorgimento in Italien, die nur langsam aber doch unaufhaltsam in die stolze Adelsschicht des Südens einsickern, erzählt Guiseppe Tomasi di Lampedusa hinreißend poetisch und sensibel, mit einer unnachahmlichen Mischung aus Humor und Melancholie und vor allem mit einem fast überscharfen Blick für den Menschen, deren Charaktere er in kleinen Gesten und prägenden Situationen wie zufällig entfaltet. Diesen präzisen Blick hatte Tomasi di Lampedusa vielleicht seiner Frau, Alexandra Marie Baronesse von Wolff zu verdanken, einer deutsch-baltisch, italienischen Psychoanalytikerin, die 1946 den "borderline"-Begriff in die Psychoanalyse einführte und später die erste Präsidentin der "Società Psicoanalitica Italiana" wurde. Geschichte unvergesslich und begreifbar zu machen, das ist Guiseppe Tomasi di Lampedusa in unnachahmlicher Weise gelungen.

Colin Drumm: The Difference That Money Makes: Sovereignty, Indecision, and the Politics of Liquidity, Santa Cruz 2021. (Jan von Goufein, BA, HHU Düsseldorf)
Colin Drumms Dissertation "The Difference That Money Makes: Sovereignty, Indecision, and the Politics of Liquidity" konnte mein Interesse für die Themenbereiche der Geldgeschichte und der Numismatik eigenständig wecken. Diese beim Department für History of Consciousness in Santa Cruz eingereichte Arbeit fragt nach dem Verhältnis von Geld und Staat, sowie nach der Geschichte und dem Wesen von Geld. Auf eindrückliche Weise zeigt Drumm die Relevanz der Kenntnis der geldhistorischen Entwicklungen der Antike, des Mittelalters und der Frühen Neuzeit für das Verständnis von Geld auf. Dabei beeindruckt insbesondere die Einbeziehung verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen. Auf ausgezeichnete Weise gelingt es dem Autor dabei, philosophische und ökonomische Konzepte mit griechischer, römischer und englischer Geschichte sowie den Dramen William Shakespeares und anderer Autoren zu verbinden.

Lesley B. MacGregor: From Legal Object to Legal Subject: Changing Conceptions of Criminal Animals in Fourteenth- and Fifteenth-Century France, Oxford 2021. (Jan von Goufein, BA, HHU Düsseldorf)
Als ich an meiner Bachelorarbeit über das Thema der Tierprozesse arbeitete, fiel mir kein Text so positiv auf wie Lesley MacGregors Dissertation "From Legal Object to Legal Subject: Changing Conceptions of Criminal Animals in Fourteenth- and Fifteenth-Century France". Diese Arbeit befasst sich mit französischen Gerichtsprozessen gegen Tiere und zeigt, wie vielfältig die spätmittelalterlichen Vorstellungen davon waren, ob und inwiefern Tiere als kriminell galten. Während üblicherweise in der Literatur zu Tierprozessen, die immer gleichen Probleme zu beklagen sind, gelingt es MacGregor, diese zu umgehen. Die genaue Differenzierung zwischen reinen Bestrafungen von Tieren und faktischen Gerichtsprozessen sowie die Arbeit an archivalischen Quellen sind vorbildlich. Im Vergleich zu der sonst ungenauen Unterscheidung der Phänomene und der üblichen Beschränkung auf die Quellen, die in E.P. Evans' Standardwerk zitiert werden, ist dies hervorzuheben.

Sean Capener: The Time That Belongs to God: The Christian Prohibition on Usury in the 12th-13th Centuries and the Making of the Subject of Debt, Toronto 2021. (Jan von Goufein, BA, HHU Düsseldorf)
Als Bachelorabsolvent in den Fächern Geschichte und Philosophie berührt Sean Capeners Dissertation "The Time That Belongs to God: The Christian Prohibition on Usury in the 12th-13th Centuries and the Making of the Subject of Debt" gleich mehrere Themenfelder, die für mich von Interesse sind. Capener ergründet hierbei Debatten um die Ethik von Wucher, wie sie in dem intellektuellen Milieu der Pariser Universität im 12. und 13. Jahrhundert geführt wurden. Dabei interessiert den Autor insbesondere die Bedeutung der Idee, dass Wucherer Zeit verkaufen. Trotz meiner Vorkenntnisse in der mittelalterlichen Geschichte und Philosophie ist mir bis heute keine Arbeit bekannt, die diese Themen so gelungen miteinander verknüpft. Überzeugend sind sowohl die präzise Darstellung der mittelalterlichen Argumente gegen den Wucher als auch die methodische Anlehnung an die von Immanuel Kant und Michel Foucault geprägte "philosophische Archäologie" sowie die innovative Kontextualisierung der zeitgenössischen Vorstellungen von Zeit und Wucher.