Geschenktipps (nicht nur) zu Weihnachten

Veronika Settele, München


Gabriele Tergit: Effingers. Roman, Frankfurt 2019.
2019 legte der Schöffling Verlag Gabriele Tergits (1894-1982) Roman "Effingers" neu auf - ein Glück! Seit 1933 von Tergit im Exil geschrieben und 1951 zuerst erschienen war er lange vergriffen und macht nun die Berliner Geschichte zwischen Reichsgründung und Zerstörung der Stadt wunderschön begreifbar. Historisch perfekt informiert ohne schwer zu werden, erzählt die große Literatin von drei jüdischen Familien, den Goldschmidts, Oppners und den Effingers. Präzise, schnell und pointiert, aber ohne hektisch zu werden, vielleicht im Stil der früheren Gerichtsreporterin, die Tergit in den 1920er Jahren beim Berliner Tageblatt war, erfahren wir von Spannungen zwischen den Jungen und den Alten, sich behauptenden Frauen und ihren Männern, von kulturhistorischen Trends und Sensationen. Wer die "Effingers" noch nicht gelesen hat, lege los!

Angela Steidele: Aufklärung. Ein Roman, Berlin 2022.
Catharina Dorothea Bach spricht zu uns in diesem wunderschönen Buch über Leipzig im 18. Jahrhundert. Die Protagonistin und fiktive Verfasserin ist die älteste Tochter von Johann Sebastian Bach und hält 1763 Rückschau auf ihr Leipziger Leben. In diesem spielt die Gottschedin, Luise Gottsched, die Frau des berühmten Schriftstellers und Literaturtheoretikers Johann Christoph Gottsched, als bewunderte Freundin eine große Rolle, aber auch etliche andere Frauen und als Geistesgrößen bekannt gewordene Männer. Heitere Streitgespräche über Kunst, Sprache, Musik, Wissenschaft, Religion und Meinungsfreiheit lassen die Versprechen der Aufklärung lebendig werden und zwar, ohne dabei aufdringlich zu sein, als Geschlechtergeschichte. "Aufklärung" ist ein unterhaltsamer und enorm lehrreicher Roman. Steidele schreibt in bester Historikermanier aus den Quellen, kontextualisiert geschickt und zieht literarisch in Bann. Eine Empfehlung!