Jürgen Dendorfer / Wolfgang Zimmermann (Hgg.): Badisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und religiöse Gemeinschaften in Baden und Hohenzollern. Von den Anfängen bis zur Säkularisation, Regensburg: Schnell & Steiner 2025, 3 Bde., 3011 S., zahlr. Farb-Abb., zahlr. Kt., ISBN 978-3-7954-3847-0 , EUR 128,00
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Thomas Sterba: Herders Neues Klösterlexikon, Freiburg: Herder 2010
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Dietmar Schiersner / Volker Trugenberger / Wolfgang Zimmermann (Hgg.): Adelige Damenstifte Oberschwabens in der Frühen Neuzeit. Selbstverständnis, Spielräume, Alltag, Stuttgart: W. Kohlhammer 2011
Im Sommer 2025 erschien im Schnell und Steiner Verlag in Regensburg das dreibändige Werk zu den badischen Klöstern, Stiften sowie religiösen Gemeinschaften unter der Herausgeberschaft von Jürgen Dendorfer, Inhaber des Lehrstuhls für mittelalterliche Geschichte und Direktor der Abteilung Landesgeschichte an der Universität Freiburg, sowie Wolfgang Zimmermann, ehemaliger Leiter des Generallandesarchivs in Karlsruhe. Das Badische Klosterbuch orientiert sich im inhaltlichen und strukturellen Aufbau an den jüngst erschienen Klosterbüchern anderer Regionen, bietet aber erstmals im Bereich dieser Veröffentlichungen gleichzeitig zur Buchpublikation eine frei zugängliche Onlineversion auf der Plattform leo-bw.de an.
Beiden Versionen gemein ist der inhaltliche Aufbau der Einzelartikel und die Vielzahl von teils hier erstmals veröffentlichten Abbildungen. Den Auftakt des Handbuchs bildet eine einführende Handreichung der Herausgeber, in der der historische Raum, geprägt durch unterschiedliche vormoderne Landesherrschaften, näher definiert wird. Darüber hinaus erhält die Gliederung der Einzelartikel ihre Erläuterung und es wird die digitale Version mit ihren zusätzlichen Informationen vorgestellt.
Den Artikeln zu den Einzelniederlassungen sind vier einführende Texte vorgeschaltet. Zu Beginn wird die Genese der Landschaft in Bezug auf die Ansiedlung der unterschiedlichen geistigen Gemeinschaften und deren kontinuierlichen Ausbau von den Anfängen in der ersten Hälfte des 8. Jahrhundert bis um 1500 aufgezeigt (Jürgen Dendorfer). Dem schließen sich die Ausführungen über die Zeit der Reformation bis zur Säkularisation 1803/1806 sowie das Fortbestehen einzelner Frauengemeinschaften und den Neubeginn männlicher Institute zu Beginn des 20. Jahrhunderts an (Wolfgang Zimmermann). Es folgt ein Überblick zu den Bauten und den Ausstattungen, eine Zusammenschau der unterschiedlichen stilistischen Einwirkungen und schließlich ein Einblick in die hier entwickelten Architekturlösungen und kunsthistorischen Entwicklungen, die auch über die Region hinausstrahlten (Matthias Untermann). Anhand der für Baden guten Überlieferungslage im Bereich des Bibliothekswesens behandelt ein weiterer Text die Schriftkultur und stellt die Klosterbibliotheken mit ihren durchaus divergierenden inhaltlichen Schwerpunktsetzungen vor, veranschaulicht aber auch die vielfältigen Verluste durch Verkauf, Entsorgung oder eben auch durch Brand und Krieg (Armin Schlechter).
Diesen Texten, die einen wichtigen Einblick in das Spezifikum der historischen Landschaft Baden geben, folgen die Einzelartikel, unterteilt in vier Abschnitt, die nochmals eine Untergliederung erhielten. Entsprechend der bereits veröffentlichten Klosterbücher erfolgt im ersten Abschnitt "Übersicht" eine stichpunktartige Aufzählung der Eckdaten zur Gründung und Aufhebung, zum Patrozinium, zur Ordenszugehörigkeit, kirchlicher Zugehörigkeit und Lage. Auch die in den Urkunden genannten Benennungen der Niederlassung finden ihre Listung. Die hier gesetzten Fußnoten ermöglichen einen erweiternden Zugang zu den Quellenbelegen, wodurch eine gute Grundlage für weitere Studien gelegt wird. Der Abschnitt "Geschichte" eint die Ausführungen zur historischen Entwicklung, den wirtschaftlichen Verhältnissen und dem religiösen und kulturellen Wirken. Entsprechend der Überlieferungs- und Bestandslage wird dieser Abschnitt um den Unterpunkt zum Bibliotheks- und Archivbestand erweitert.
Der Abschnitt "Bau- und Kunstgeschichte" beschreibt die Lage und den architektonischen Aufbau der Gesamtanlage und führt deren bauliche Entwicklung aus, um schließlich mit den Erläuterungen zur materiellen Kunstgeschichte und der Ausstattung Einblicke in die teils wechselvolle Historie der Stiftungen und die Frömmigkeitsgeschichte zu geben. Auch in diesen als Fließtext ausgeführten Abschnitten informieren Anmerkungen über die genutzten Quelleneditionen, was die Nachvollziehbarkeit der Ausführungen erleichtert und eine überaus nützliche Basis für eigene Studien bildet. Die Kurzbibliographie am Ende eines jeden Artikels listet die wichtigste Literatur und relevanten Quelleneditionen. Sie wird durch die Gesamtbibliographie ergänzt, womit eine umfangreiche Arbeitsgrundlage bereitgestellt wird. Das detaillierte Register mit Angaben zu den Orten und Personen bietet bei der Fülle an Informationen eine gute Navigation durch das Handbuch.
Ein ebenfalls positiver Punkt ist der für jeden Artikel sorgsam zusammengestellte Abbildungsapparat. Neben den modernen Fotographien, die die Textinhalte begleiten, sind es die historischen Abbildungen, die einen eigen Quellenwert besitzen und Entwicklungen nachvollziehbar machen. Darüber hinaus werden die Informationen zum theologischen und ökonomischen Wirken der Niederlassungen durch einheitlich layoutete Karten sinnvoll illustriert. Kurze Angaben zur genutzten Quellengrundlage in der jeweiligen Kartenlegende bietet ebenfalls beste Voraussetzungen für die eigene Arbeit und Forschung. Auch die sorgfältig erstellten Lage- und Grundrisspläne mit den Eintragungen zu den Bauphasen erhöhen wesentlich den Informationswert.
Den Herausgebern ist es gelungen, die vielfältigen Informationen zu den über 360 Niederlassungen in ein Handbuch zu überführen, das sich im Aufbau konzeptionell an den Klosterbüchern mit weniger als 110 Niederlassungen orientiert. Dabei blieb die für lexikale Nachschlagewerke unabdingbare Überschaubarkeit und Einheitlichkeit aller Artikel gewährleistet. Hier gilt das besondere Lob der redaktionellen Arbeit aller Beteiligten. Zwar wird auf die immer detailliertere Unterpunktgliederung gerade der jüngsten Klosterbücher im Druckwerk verzichtet, diese jedoch in der parallel geschaffenen Onlineversion - die von Anfang an Teil des Publikationsunternehmens war - aufgenommen. Und hierin liegt auch der große Vorteil des hybrid erschienenen Badischen Klosterbuchs. Themenbereiche, wie beispielsweise prosopographische Studien, die durch die Forschung fortlaufende Erkenntniszuwächse erhalten, können entsprechend neuer Ergebnisse und den sich daraus ergebenen Resultaten sogleich in den öffentlichen Forschungsdiskurs aufgenommen werden.
Zudem bietet die Onlineversion Verlinkungen innerhalb der Einzelartikel aber auch darüber hinaus zu themennahen Onlineseiten und Internetauftritten der behandelten Institute. Das von Verlagsseite mit großem Aufwand lektorierte Druckwerk wurde durch den Onlineauftritt auf der Plattform leo-bw - Landeskunde entdecken online (im Druckwerk über einen QR-Code verlinkt) sinnvoll ergänzt. Dieses digitale Pendant entspricht nicht nur in angemessener Weise der gedruckten Ausgabe, sondern erfüllt zugleich in vorbildlicher Weise die von der Öffentlichkeit immer wieder erhobene Forderung nach einem freien Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen. Für Klosterbücher wurde ein derartiger offener Zugang erstmals in dieser Form realisiert. Damit legen die Herausgeber in beiderlei Hinsicht ein für die Forschung und die Kultureinrichtungen wichtiges Grundlagenwerk zur stiftischen und monastischen Geschichte der historischen Landschaft Baden vor, das auch für die interessierte Leserschaft überaus informativ und vor allem lesenswert ist.
Katja Hillebrand